Ali's bericht über Seinen Studienalltag, seine Anliegen & seine Unterstützung

Ali: Mein aktuelles Bild von der Stelle, an der ich meinen Studenten eine Online-Vorlesung halte.

To Khaima Board 

Hope this message finds you all well...

23.11.20

An den khaima-Vorstand 

Ich hoffe, diese Botschaft erreicht Sie alle gesund...

 

Mit meiner Botschaft möchte ich Ihnen für all Ihre bisherige Unterstützung danken und Ihnen auch einen Hinweis auf meine aktuelle Studiensituation geben.

 

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie-Situation hat der türkische Hochschulrat die Kurse von der physischen Anwesenheit in einer Schulklasse auf virtuelle Online-Vorlesungen umgestellt, bei denen die Studenten Anwendungsplattformen ähnlich den Standardmethoden benutzen. Da ich mich zudem im zweiten Jahr meiner Ausbildung befinde, unterrichte ich meine Studenten jeden Morgen zur gleichen Zeit über diese Anwendung, wobei ich der Spezialisierung meines Betreuers und den Richtlinien für meine Diplomarbeit mit meinen drei Fällen folge, die sich auf eine traumatische Situation auswirken. 

 

Im ersten Fall aus der Türkei, Karabuk, und in den anderen Fällen von irakischen jazidischen IDPs (= Internally displaced people > Intern Vertriebene sind Personen, die gewaltsam aus ihrer angestammten und rechtmässigen Heimat vertrieben wurden, bei ihrer Flucht – im Unterschied zu Flüchtlingen im rechtlichen Sinn – keine Staatsgrenze überschritten haben und im eigenen Land verblieben sind), sind die Opfer von Zuneigung bis Trauma verschieden und haben unterschiedliche Ergebnisse.

Da es verboten ist, mein Dissertationsthema weiterzugeben, kann ich aber einen Hinweis darauf geben, was diskutiert wird: Das Thema wird

The Psychological İmpact Of War and Traumatizing Flashback. (Die psychologischen Auswirkungen des Krieges und traumatisierende Rückblenden)... über verschiedene traumatische Fälle und verschiedene Kulturen.

Das ist alles, was ich Ihnen anbieten kann.

 

Meine Studiengebühren werden aufgrund der DISTANCE EDUCATION höher als im ersten Jahr, aber meine Universität hat eine neue Regel eingeführt, die lautet: Wenn der Durchschnitt (der Noten) über 3,00 - 4,00 liegt, sind die Studiengebühren im ersten Jahr gleich hoch oder vielleicht sogar niedriger. Aber (so gross aber) mein Durchschnitt im ersten Jahr ist 3,2/4,0, ich bin von dieser Bedingung nicht betroffen, aber ich sollte es gleich oder höher halten, um den gleichen Betrag vor dem Semester und am Ende des Semesters zu zahlen.

 

Meine Wohnung in der Stadt Karabuk ist immer noch die gleiche, ich bezahle auch die monatliche Miete für Strom und Wasser (ich kann Ihnen Quittungen ausstellen), nur einen Monat habe ich es nicht getan, weil der Eigentümer einige Gegenstände aus dem Irak haben will. Ich muss monatlich zahlen, weil es mit meiner IQama zusammenhängt, die mein Einwohnerausweis ist, und auch, um den Postdienst (USPS) zu behalten, der die Uni betrifft. Dokumente.

In der gegenwärtigen Situation, von 9 bis 15 Uhr, folge ich meinen Zeitplänen für meine Universität, verfolge auch die drei Fälle in den Duhok Camps und unterstütze khaima mit ihren Partnern, um in Duhok auf der rechten Seite zu stehen und Neuigkeiten auf unseren Facebook-Seiten auszutauschen.

 

Ich werde wieder einmal in der Türkei sein - Karabuk, nachdem die Fälle von Coronaviren in der Türkei weniger werden und das Tor für Studenten wieder geöffnet wird, was laut meinem Universitätskalender Anfang Dezember ist. Wenn nicht, bedeutet das, dass ich zu Beginn des nächsten Jahres dort sein sollte, um meine Dissertation und die Ergebnisse meiner Fälle mit dem Betreuer zu besprechen.

 

Wirklich, ich weiss nicht, wie ich mich wegen des Wortes bedanken soll, nicht genug für das, was ich fühle, nachdem ich meinen Träumen nachgejagt bin und Menschen in ihrem Trauma geholfen habe und unter dem grausamen Krieg leide. Ich werde einfach jedem Einzelnen von Ihnen ein grosses DANKE für alles, was Sie für mich getan haben, und für all die Unterstützung, die Sie mir zukommen lassen, aussprechen.

Ich danke Ihnen für die Tausenden von Chancen, die Sie mir gegeben haben.

Mein aktuelles Bild von der Stelle, an der ich meinen Studenten eine Online-Vorlesung halte.

 

Mit freundlichen Grüssen, 

Ali Hussein Ali

 

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator 

 

...Your sincerely, 

 

Ali Hussein Ali



8. - 15.11.2020 Endlich: KURZBESUCH iN kurdistan

Nach fast 12 Monaten kann Andreas Goerlich endlich wieder nach Kurdistan reisen. Der Flughafen ist zwar seit September offen, aber bisher waren die Zahlen bedenklich hoch.

Inzwischen sind die Zahlen aber solide (Knapp 4000 im Irak mit 38 Mio. Einwohnern, 30% der Fälle in Bagdad).

 

Sogar das deutsche Auswärtige Amt mit guten (Gesundheits-) Beziehungen zu Kurdistan rät nicht mehr von Reisen ab aufgrund des Virus.

 

2. Nov.

 

Andreas Goerlich schreibt: Ich plane von Montag Abend  bis Sonntag Abend zu gehen. Aber es sind noch einige Dinge offen: Abflug … Coronatest …  und Istanbul Zwischenhalt … und Erbil Flughafen … und abgelaufene Aufenthaltsgenehmigung (IKAMA). Aber ich wage es.

Als eine der ersten Handlungen trifft Andreas Goerlich seine beiden Stellvertreter, Ali und Shms


"Unsere" beiden Psychologen Jiyan und Barzan zusammen mit Andreas Goerlich im Trauma Center von Pnaga - einem unserer zuverlässigen Partner

Trotz Corona finden die spieltherapeutischen Treffen mit den traumatisierten Kindern statt.

Daneben geht auch die aufsuchende familientherapeutische Arbeit weiter. Neben den Löhnen für die Psychologinnen und Psychologen finanziert khaima u.a. mit Ihrer Spende die dafür nötigen Hygiene-Mittel.

Herzlichen Dank dafür.

Zusammen mit Jiyan und Barzan ist Andreas Goerlich im Rahmen des Besuchsprogrammes für traumatisierte Familien unterwegs zu Halima - die zweimal pro Monat besucht wird. (siehe unten)

 


Andreas Goerlich und unser Psychologe Barzan im Gespräch mit Halima

Halima wurde drei Jahre von der IS in der Türkei festgehalten, nachdem sie 4 Monate in Syrien missbraucht worden war. Sie konnte als IS Sklavin problemlos auf den Markt einkaufen gehen, für die Mitwelt war es offenbar „akzeptiert“.

Sie wurde geschlagen, missbraucht, wurde gezwungen, arabisch zu lernen. Dieses Jahr machte sie eine Organisation ausfindig und kaufte sie frei.

Zurück in Kurdistan, wurde von vielen gemieden, nur ihre Schwester hielt zu ihr.

Als Corona begann, verschwand die Organisation, die ihr psychologisch bei der Verarbeitung half. Über die Schwester lernte sie Pnaga kennen, die sie nun seit 3 Monaten zweimal monatlich besucht

Sie geht nicht ausser Haus, sie hatte bis vor kurzem ihre Schwester wecken müssen wenn sie auf die Toilette nachts wollte – sie hatte panische Angst. Nun kann sie alleine gehen und in den Zweiergesprächen mit Barzan kommen immer mehr Details an die Oberfläche.  Nun beginnt sie hin und wieder zu lächeln.


In Fayda:

Am Eingang gibt es Desinfektionsmittel und nötigenfalls eine Maske - dies ist vor Ort teuer - darum sammelt khaima Spenden für Hygienematerial


In Qadya:

12. Nov.

 

DOMIZ II ( FAYDA ) UND RWANGA ( QADYA ) CAMP

 

Die Aktivitäten werden in Fayda im Women empowerment center aufgenommen, wo bei anderen Organisationen noch das Haus geschlossen ist.

Langsam (viel weniger als zuvor) kommen die Menschen wieder ins Center. Erst dann merken sie, dass alles nach Corona Richtlinien läuft und atmen auf: Am Eingang gibt es Desinfektionsmittel und nötigenfalls eine Maske.

 

Im Computerraum, der auch fürs Näh- und Sprachatelier genutzt wird, dürfen höchstens 5 Personen plus Unterrichtende hinein.

 

Im Caravan nebenan sitzen 8 Frauen mit einem Stuhl Zwischenraum. Eine Frau sagt laut „In unser Haus lassen wir kein Virus herein“, sie hat aber keine Ahnung, wie dieses Virus übertragen wird. Mit Lachen, einfachen Worten oder notfalls Puppen (bei Kindern) erklärt das Team geduldig, was, wie und wo und dann wird der Schutz geübt. Am liebsten würden am Ende alle vier Masken und eine Flache Desinfektionsmittel mitnehmen. Doch dafür ist kein Geld da und UNHCR sowie UNICEF haben sich noch nicht zu der Finanzspritze durchringen können. So sterben viele Menschen, pro Camp gibt es bis zu Tausend Ansteckungen, die gemessen werden – die anderen werden nie bekannt. COVID ist ein Tabu, nur wer in irgendein Center geht, erfährt etwas oder erhält Schutzmasken.

Die Projekte, wenn sie coronakonform sein sollen, werden teurer werden, da sie aufgrund der Platzverhältnisse 2-3 mal durchgeführt werden müssen.

Lotus flower geht es gelassen an, es wird so viel gemacht, wie Geld hereinkommt.

 

In Rwanga (Qadya) Camp wird mir mitgeteilt, dass BRHA nicht länger zuständig ist als die Verwalterin der Camps. Sie hat alle Camps in Kurdistan (ausser Suleimania, das sich eng an Bagdad anlehnt) der BCF (Barzani Charity Foundation) übergeben.

Dass dies blanker Unsinn ist, sieht man daran, dass die Stiftung der Barzani Familie gehört und nun die Kontrolle auch über nicht „peshmergagesinnte“ Gruppen hat und manche Projekte entzieht, sich selbst nun die grössten gibt. Das Zynische: Rwanga gehört bereits einem Barzanisohn seit langem und wird nun gebremst, wenn er nicht konform ist. Dort wurde bisher beste internationale Traumaarbeit gemacht, offen für alle Profis. Das wird nun vielleicht zweitrangig. Das nächste Halbjahr wird das zeigen.

 

Als ob das nicht schon genug wäre, hat Irak, nachdem sie sich weder mit Hashed ash shabee noch mit der PKK oder Peshmerga über Sindjar einigen konnten, eine „Charmoffensive“ gestartet und die Jesidnefamilien mit mehreren Monatslöhnen „Belohnung“ im Frühjahr nach Sindjar gelockt (Mai/Juni). Das zog, so manche Familie ging mit dem Coronavirus nach Sindjar und war schutzlos ausgeliefert. Über Sindjar gibt es kau Coronazahlen, alle schweigen verschämt. Und als der Lohn aufgebraucht war, war keine Schule für die Kinder da, keine Hilfsorganisationen, wenig, aber teurer Strom und kaum Wasser. Schlechte Mobilverbindungen, nur 2 Spitäler – das sind zusätzliche „bad news“. Diese Familien dürfen nun nicht mehr zurückkehren, weil sie ja dafür Geld annahmen.

 

Zudem haben sie panische Angst, in ihre Ruinen oder Häuser zurückzukehren, da alles voller „böser Geister“ sei (traumatische Erinnerungen, weshalb sie ja geflohen sind). So belegen sie die Häuser anderer Familien, was in absehbarer Zeit ziemliche Konflikte verursachen dürfte (z.B. wenn eine andere Familie in Kurdistan erfährt, dass ihr Haus fremdbewohnt wird).

Daher muss Bagdad nun „Zweitcamps“ bauen, um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, was die Quadratur des Kreises bedeutet – wieder Camps.

Die Situation ist im Augenblick ziemlich ungemütlich.

Zum Glück gibt es gute regionale Hilfsorganisationen, die stoisch mit jeder neuen Situation umgehen. 


CaFé Hope

Dem Café Hope ( = Hoffnung) geht es gut, dort wird auch corona konform gearbeitet, sie spüren aber die Angst der Leute durch viel weniger Gäste. So manche zarte Pflänzchen sind existenzgefährdet.


Diese Witwe konnte die Nähmaschine aus dem Nähprogramm in Coperto behalten und mit einem Generator betreiben. Dies verschafft ihr ein selbständiges Einkommen, verhilft ihr damit zu etwas Selbständigkeit und damit wieder zu neuer Würde.

11. Nov.

 

Heute habe ich Qasha Gewargis getroffen und ihm endlich die 4000 Dollar übergeben (Privatspende von E. B.).

Er war überglücklich, denn er muss noch viel ausgeliehenes Geld zurückzahlen.

 

Idee zu einem neuen Proekt: NÄHMASCHINENPROJEKT 2021 IN SHEKHAN

 

Das Nähatelier in Coperto I und Coperto 2 war ein voller Erfolg, „der grösste in den letzten beiden Jahren“.

Das bestätigte heute ein langes Gespräch mit der VOP Leitung Haveen (Projektleitung), Mrs. Khabat (Präsidentin) und Diler (Vize).

Dadurch, dass VOP bis zum letzten möglichen Termin vor der Campschliessung aufgrund CORONA den Kurs noch abschloss, waren die 30 Witwen bestens gerüstet, mit der Arbeit anzufangen.

Der erste Schock war natürlich, dass niemand Newroz (Neujahrs-) kleider bestellt, da ein Lockdown war.

Dafür kauften die Menschen in den Camps fleissig Alltagskleider ein, weil alles geschlossen war und sie das Camp nicht verlassen konnten. Bis heute würden die Witwen 40 Dollar die Woche verdienen, für Campverhältnisse nicht schlecht. Und das geht weiter so. Und alle sind froh, weil der Generator Unabhängigkeit gibt bei der Zeit, in der genäht werden kann.

 

Darum ist es wirklich sinnvoll und gut, ein weiteres Projekt zu lancieren, auch der Nachhaltigkeit und Würde wegen. Und um ein Stück Hoffnung in der Coronazeit zu geben.

Zuerst fragte VOP, ob es nochmals in Coperto stattfinden könnte, was ich strikt verneinte: Aufgrund unserer Erfahrungen sind 15 Personen im Camp mehr als genug, sonst graben sie sich gegenseitig das Wasser und die Aufträge ab.

Aber Shekhan wird international vernachlässigt und ist eine der wenigen Vorzeigeorte, wo Muslime, Christen und Jesiden in- und ausserhalb des Camps friedlich nebeneinander leben.

Daher kam die Idee auf, 10 Witwen aus dem Shekhan Camp zu nehmen (Jesidinnen) und 10 christliche Witwen innerhalb des Ortes. So wäre es noch toleranzfördernd.

Für den bisherigen Preis können nur noch 15 ausgebildet und mit Maschinen versorgt  werden: Wegen Corona gibt es maximal 5 Personen per Kurs, das bedeutet drei Löhne für die Ausbilder und Nachbetreuung. Alles würde im Camp stattfinden (also auch Transport der 5 Personen von ausserhalb).

Zudem liegt Shekhan einiges weiter als Coperto und benötigt mehr Transport- und Fahrergeld. Und schliesslich kostet das Schutzkonzept, das mühsam Material von überall her besorgen muss.

Dennoch sollten wir es schaffen, 26 000 Dollar zusammen zu bekommen. 

Sobald wir sagen, wir sind interessiert, erstellt VOP ein Budget und wird es an uns schicken zum endgültigen OK oder Abbruch.

Es sollte jemand von uns bei der Eröffnung auch dabei sein.

 

Darf ich den Input beibringen zur Entscheidungsfindung? Ich würde mein Bestes dafür geben.

 

Was meinen unsere Spenderinnen und Spender? Unterstützen Sie uns? Zarok hat bereits 7000 Dollar zugesagt, wenn khaima mitmacht...

 


Pir Mamou, Professor des Traumainstituts an der Universität Dohuk, im Gepräch mit Andreas Goerlich

 

Er war Gründungsmitglied von khaima 2016.  dafür kam er extra nach Pfungen, um die Statuten und den Willen mit abzusegnen, den bedürftigen Flüchtlingen in und um Syrien zu helfen. Denn als Jeside und religiöser Meister („Pir“) wusste er zu gut, was nötig war, um den Flüchtigen und Gedemütigten zu helfen.

 

Mit ihm tätigte ich unser erste Verteilung von Hilfsgütern im Sindjargebirge und bis heute ist er sich nicht zu schade, sich mit „Normalsterblichen“ zu treffen.


Examensfeier an der Universität Dohuk

"Unsere" beiden Psychologinnen Sondis und Prshang, die im Jugendgefängnis betreuen, haben nun eine europäische anerkannte Ausbildung mit Logo der Universität Tübingen!

13. Nov. 

GESPRÄCH MIT PIR MAMOU, AVRO CITY, DOHUK

 

Eine gute Stunde konnte er sich für mich zu Hause freischaufeln, der ehemalige Versöhnungsminister nach Saddam Hussein im Irak und leidenschaftliche Jeside im religiösen Rat von Laalesh sowie Professor des Traumainstituts an der Universität Dohuk, Pir Mamou Othman.

Er ist sehr froh, dass wir (Zarok und Khaima) auch in der Coronakrise tätig mithalfen mit Geld und Projekten, die zum Teil von CAPNI vorfinanziert wurden. Den Leiter von CAPNI, Abuna Emanuel Yokhanna, hat er 1985 in Berlin kennengelernt.

 

PIR wurde Mamou dadurch, dass er zur höchsten Mitgliederebene der Jesiden gehörte, musste aber dafür auf eine eventuelle Heirat verzichten. Dafür darf er im höchsten Rat der Jesiden in Laleesh mitreden.

 

Mamou stellt ebenfalls ernüchternd fest, dass es durch den Weggang vieler ausländischer Organisationen („war es eine willkommene Gelegenheit?“) mit der Coronakrise ein Vakuum entstand, das die Hilfe für die Camps gegen „Null“ streben liess. In dieser Situation erwiesen sich die Mitglieder Barzanifamilie (Herrschende in Kurdistan) grosszügig und unterstützen alle Camps durch ihre eigene BCF – Barzani Charity Foundation…  Dies war dann auch der Zeitpunkt, an dem die UN / UNICEF alle Camps dem BCF zur Obhut übertrug…

Dass die Personalunion von Wohltäter und Regierung schwierig ist, das bejaht Mamou völlig und hofft, dass der Pragmatismus auch hier obsiegen möge.

 

Er sieht auch im neuen Präsidenten des Irak eine Chance für die Weiterentwicklung, auch wenn er fünf Minuten später zugesteht, dass die verschiedenen Parteien sich für das Sindjargebirge nicht einigen konnten und die Jesiden somit weiter „Spielball“ für PKK, YPG, Hashed ash Shabee, Peshmerga und irakischer Armee bleiben (geplant war eine gemeinsame Verteidigung von Schiiten, Sunniten und Kurden).

 

Da er politisch seit seiner Ablösung „pensioniert ist“, kümmert er sich als Direktor des IPP (Traumainstituts an der Uni Dohuk) um die Traumata der Jesidinnen und Peshmerga. Das Institut wird von Baden-Württemberg bezahlt und von ihm und dem in Dohuk geboreren Professor Kiezelhan betrieben und garantiert seit drei Jahren eine Masterausbildung von 30 Psycholog/inn/en jährlich mit Schwerpunkt Trauma.

(Vgl. nebenstehende Bilder der Examensfeier für "unsere" beiden Psychologinnen Sondis und Prshang)

 

Bald wird er an diesem Institut auch eine „German Clinic of Psychotherapists“ eröffnen, die viel mehr Fälle als bisher begleiten kann, weil die Zahl versklavter Jesidinnen und brutal von der IS getöteter (syrischer) Soldaten so hoch war.

 

2023 soll noch eine zweite Klinik eröffnet werden. Im Augenblick arbeiten alle nach dem NET – Prinzip (Narrative Exposure Therapy) von Maggie Schauer, die bei den Betroffenen am wirksamsten ist.

 

Nach der Gründung der zweiten Klinik plant er mit über 70 Jahren seinen Rückzug und das Leben in Berlin (er hat einen deutschen Pass erhalten).

 

Das Gespräch mit ihm war tiefgehend, philosophisch, psychologisch, nachhaltig und immer wieder mit dem nötigen Humor versehen…

 


 

14. Nov. 

GESPRÄCH MIT NICHIRVAN (UNICEF)

 

Nichirvan ist Logistikleiter der UNICEF für den gesamten Irak und er ist Bruder von Wareen, der Musiktherapeutin in Pnaga. Trotz seines jungen Alters ist er bester Kenntnis, weil er jeden Morgen alle Infos lesen muss, bevor er zu organisieren anfängt. Denn wenn er etwas übersieht, ist vielleicht eine Vorbereitung umsonst – und teuer…

 

Obwohl Kurdistan über 80% der irakischen Camps beherbergt, hat die Zentralregierung eine einheitliche Flüchtlingsorganisation verlangt. Die UN war damit einverstanden, weil das finanziellen Rückzug und Ersparnis bedeutet.

Das ICC (International Crisis Center) schaffte es aber nur bis Erbil und Suleymania behielt eine „ähnliche“ Struktur. So musste die BRHA in Kurdistan sich ändern und übergab alles der BCF (Barzani Charity Foundation).

Damit gibt es doch wieder 3 Organisationen, aber BCF gehört der Präsidentenfamilie…

Die irakische Nation wählt nächstes Jahr, aber IDPs (IDP = internally displaced person: Intern Vertriebene sind Personen, die gewaltsam aus ihrer angestammten und rechtmässigen Heimat vertrieben wurden, bei ihrer Flucht – im Unterschied zu Flüchtlingen im rechtlichen Sinn – keine Staatsgrenze überschritten haben und im eigenen Land verblieben sind) in Flüchtlingscamps haben kein Stimmrecht. Daher startete die Regierung eine Charmoffensive mit finanziellem Anreiz, damit die Jesiden aus den Camps kommen und in Sindjar wählen können (dankbar für die finanzielle Unterstützung wählen sie…). Jede Familie, die in den Sindjar zurückkehrt, wird mit 3-4 Monatslöhnen beglückt. Allerdings gibt es kaum Strom, Wasser, keine Organisationen und Psychologgen, die das Trauma auffangen, welches die Rückkehr ins zerstörte Haus auslöst. Und alle Parteien bekämpfen, ja töten einander dort.

Nichirvan hofft, dass der Einigungsvertrag zwischen dem Irak und den verschiedenen Gruppen in Sindjar doch noch zustande kommt.

Druck mache der Irak auch dadurch, dass er zuerst die Schulen, dann die IDP- Camps schliessen werde. Das mit der Schule funktioniert noch nicht, da es keinen Ersatz in Sindjar gibt. Und die Camps wurden bisher von UNHCR geleitet, nicht von Bagdad.

Es sieht aus, als ob es im nächsten Jahr noch weniger Sponsoren gibt. UNICEF muss den Gürtel ebenfalls enger schnallen, dadurch werden Themen wie „Kinderspielplätze“ durch die Maschen fallen und „cash for work“ ebenfalls.

 

UNICEF kann immerhin dann noch Fragen stellen, wenn es die kleineren Organisationen nicht mehr können. Daher bleibt der Kontakt wichtig…