Jetzt kann ich ein Schmetterling werden…now i can become a butterfly

Die neue Spieltherapeutin Wareen zusammen mit zwei Kindern, die mit Fingerpuppen eine Szene nachspielen.

Wareen, the new play therapist togehter with two childern, playing with finger puppets.

Alle Fotos / all pictures:

khaima

Es war eine gute Idee, zusätzlich zu den beiden Psychologinnen noch eine Spieltherapeutin anzustellen.

 

Von Andreas Goerlich, Projektleiter vor Ort

 

Das Kinder Trauma Project (KTP) in Sharya für überlebende Kinder, die ISIS und ihre Gräueltaten mit eigenen Augen ansehen mussten, ist ein ganz spezielles und dringend notwendiges Projekt.

 

Sie spielen und singen wie alle anderen Kinder. Sie streiten und erobern den Garten wie europäische Jugendliche. Doch wenn Wareen ihnen eine Aufgabe gibt, dann spüren sie plötzlich die Last der Vergangenheit. Für Chazwan wird die Wolke, die er zeichnet, zum Alptraum: "Genauso sah der Himmel aus, als sie mit ihren Pick up Autos Richtung Sindjar City fuhren", sagt der 10jährige Jeside. Eine seiner Schwestern ist noch immer in IS Gewalt. Im KTP hat er zum ersten Mal erzählt.

 

Rawana schüttelt es, als sie aus Stoff «Fliegen» basteln sollen. "Wir waren bei einer Hochzeit, als die IS-Männer kamen. Ich kann keine Fliege basteln, bitte…"

 

Sharya liegt 15km von Dohuk entfernt. Es ist ein Ort, der seit langem jesidisch geprägt ist. Doch die meisten Einwohner (im Camp und Dorf) kommen aus den Gebieten des Sindjargebirges. Nimmt man all die traumatischen Erfahrungen zusammen, müsste jeden Augenblick eine Bombe explodieren.

 

Warum ein Kinderprojekt?

 

Warum hat khaima zusammen mit ZAROK und EDGE für Kinder ein Projekt lanciert, wo doch viele Witwen oder überlebende gefolterte Männer am Ort leben?

 

Die Eltern haben Projekte und das ist wichtig. Aber ihre ganzen Gedanken und ihr Leben spielt sich in der Bewältigung ihres Traumas ab. Für Kinder und ihre Bedürfnisse bleibt keine Zeit. Aber die Kinder mussten mit eigenen Augen ansehen, wie ein Nachbarskind vor ihren Augen erschossen wurde: Zwei IS Soldaten hielten ihre Augen gewaltsam auf. Ein anderes Mädchen liess sich in Raqqa die Haare schneiden, um auf dem Sklavenmarkt (in dreckigen Kleidern) als unattraktiver Junge durchzugehen. So entging sie den Vergewaltigungen, die ihre gleichaltrigen Freundinnen erlebten. 12jährige Mädchen waren für die Terroristen «am lustvollsten». Wer hilft ihnen, wenn die Eltern mit ihrer eigenen Lebensgeschichte so stark beschäftigt sind? Unser Projekt war doppelt ausgebucht, als wir die Abklärungen vornahmen. Mit ZAROK gelang es, zwei Projekte für drei Monate zu ermöglichen.

 

Ich werde ein Schmetterling

 

Adana ist begeistert von Wareen, der Spieltherapeutin. Nach ersten Tränen und der guten Begleitung durch die Psychologin konnte Adana den Wandel von der Raupe zum Schmetterling in Gedanken und Bildern starten: "Zuerst fühlte ich mich so schmutzig, nach all dem, was sie mir und meiner Familie angetan haben. Ich fühlte mich wie eine hässliche Raupe. Aber jetzt kann ich vielleicht ein Schmetterling werden"…

It was a good idea to hire a play therapist in addition to the two psychologists.

 

 

From Andreas Goerlich, Local manager

 

The Children's Trauma Project (CTP) in Sharya for surviving children who saw ISIS and their atrocities with their own eyes is a very special and much-needed project.

 

They play and sing like all other children. They argue and conquer the garden like European teenagers. But when Wareen gives them a task, they suddenly feel the burden of the past. For Chazwan, the cloud he draws becomes a nightmare: "That's what the sky looked like when they drove their pickup cars to Sindjar City", says the 10-year-old Yazid. One of his sisters is still in IS captivity. He told for the first time about that in the CTP.

 

 

 

Rawana shakes as they make cloth "flies". "We were at a wedding when the IS men came. I can not make a fly, please...

 

 

Sharya is located 15km from Dohuk. It is a place that has been Yesidic already for a long time. But most inhabitants (in the camp and village) come from the areas of the Sindjar mountains. If you take all the traumatic experiences together, you mean, that every moment a bomb would explode.

 

 

Why a children's project?

 

Why did Khaima, together with ZAROK and EDGE, launch a project for children where many widows or surviving tortured men live in the village?

 

The parents have projects and that's important. But all her thoughts and her life are in coping with her trauma. There is no time for children and their needs. But the children had to manage for themselves for example, how a neighbor's child was shot in front of their eyes: Two IS soldiers kept their eyes open forcibly. Another girl had her hair cut in Raqqa to go through the slave market (in dirty clothes) as an unattractive boy. So she escaped the rapes experienced by her girlfriends of the same age. 12-year-old girls were "most pleasurable" for the terrorists. Who helps them when parents are so busy with their own life story? Our project was double booked when we made the assessment. With ZAROK, luckily two projects can be completed for three months.

 

 

 

 

 

 

Maybe I will become a butterfly

 

Adana is excited about Wareen, the play therapist. After the first tears and the psychologist's good company, Adana was able to start the transition from caterpillar to butterfly in thoughts and pictures: "At first I felt so dirty, after all that they did to me and my family. I felt like an ugly caterpillar. But now maybe I can become a butterfly"...